Greys, Nordics, Reptiloiden, Anunnaki: In UFO-Kreisen gilt als ausgemacht, dass gleich mehrere Alien-Rassen die Erde besuchen, jede mit ihren ganz eigenen Marotten. Aus dieser Vorstellung ist „Alien Race Rap“ entstanden, ein ironisches Sci-Fi-Musikvideo von knapp vier Minuten, das die ungebetenen Gäste der Reihe nach vorstellt, vorgetragen als Rap. Kein Drehtag, keine Kamera, kein Stock-Material: Text, Song, Gesang, jedes Bild und jede Bewegung sind mit KI-Werkzeugen entstanden. Konzept, Auswahl, Schnitt und alle Entscheidungen lagen bei mir. Hier ist der Produktionsbericht dazu.
Die Idee: Wer uns angeblich alles besucht
Am Anfang stand keine Geschichte, sondern eine Liste. Welche Alien-Rassen tauchen in der UFO-Folklore immer wieder auf, und was wird ihnen nachgesagt? Die Greys mit den schwarzen Augen, die Bauern entführen. Die Nordics, blond, schön und verdächtig freundlich. Die Reptiloiden in Anzug und Krawatte, die angeblich Banken und Parlamente steuern. Und die Anunnaki aus der Antike, die Menschen zum Goldschürfen gezüchtet haben sollen. Genug Material für einen Song, der das alles mit einem Augenzwinkern zusammenfasst.
Schritt 1: Lyrics in Blöcken statt in einem Wurf
Für die Recherche und den Text habe ich mit Claude gearbeitet. Ich habe mir die wichtigsten Rassen samt typischer Eigenschaften auflisten lassen und daraus Songtext mit ironischem Ton entwickelt. Entscheidend war, nicht den erstbesten Komplettentwurf zu übernehmen. Stattdessen habe ich Block für Block gearbeitet: Einzelne Strophen wurden ausgetauscht und neu erzeugt, so lange, bis Ton und Pointe saßen. So blieb die Kontrolle über Aufbau und Haltung bei mir, und das Modell lieferte die Varianten.
Die Struktur am Ende: ein gesprochenes Intro, drei Strophen für Greys, Nordics und Reptiloiden mit jeweils einem Refrain („Oh, the aliens, oh so weird“), eine Bridge für die Anunnaki und die Plejadier, ein letzter Refrain und ein gesprochenes Outro mit einem klaren Ratschlag für die nächste UFO-Sichtung.
Eine kleine Randnotiz zur Bridge: Die Plejadier sind gar keine eigene Rasse. In der UFO-Folklore sind sie dieselben Wesen wie die Nordics, groß, blond, hellhäutig und angeblich aus dem Sternhaufen der Plejaden. Das ist mir erst aufgefallen, als der Song schon fertig war. Die Nordics haben im Video damit eben zwei Auftritte: in der zweiten Strophe als lächelnde Klon-Züchter, in der Bridge als selbst ernannte Lichtwesen.
Schritt 2: Der Song aus Suno
Mit dem fertigen Text ging es in Suno. Ich habe mehrere Generationen laufen lassen und die Fassung genommen, deren Musik, Vortrag und Energie am besten zum ironischen Ton passte. Diese Auswahl war die wichtigste Entscheidung im ganzen Projekt, denn der Song legt Rhythmus, Länge und Stimmung des Films fest. Ab diesem Moment war die Tonspur die feste Zeitleiste, an der sich jedes Bild ausrichten musste.
Für die Planung habe ich den Song mit Timecodes zerlegt: 53 Textzeilen, gut 3:50 Gesang, dazu sechs instrumentale Passagen von zusammen rund einer Minute. Jede Zeile bekam ein Zeitfenster, jedes Zeitfenster einen Shot.
Schritt 3: Eine Band und eine kleine Geschichte
Ein Rap über Aliens braucht jemanden, der ihn vorträgt. Also habe ich eine Band erfunden: Frontmann Mel, Bassistin Kira und ihren Drummer Markus. Die drei treten auf einem fremdartigen Basar auf, mitten im Marktbetrieb einer Alien-Welt, als einzige Menschen weit und breit. Ein Nordic hört genauer hin, findet den Text gar nicht lustig und ruft die Reptiloiden-Polizei. Die beendet den Auftritt, verlädt Kira und Markus in einen schwebenden Transporter und führt Mel durch einen dunklen Gang vor die Obrigkeit. Ein Tritt ins Gesicht, Schwarzbild, Ende des Songs.
Damit läuft im Video eine zweite Ebene mit: Der Song ist eine Anklage, die mitten unter den Angeklagten vorgetragen wird, und die Strafe folgt auf dem Fuß. Die Figuren der Band und die Alien-Rassen habe ich mit Google Nano Banana 2 entworfen.
Schritt 4: Startframes und Bewegung
Bevor ein einziges Bild generiert wurde, stand ein Storyboard mit 48 Shots. Für jeden Shot gab es Beschreibung, Kamera, Licht und einen ausformulierten Prompt. Die Bildsprache war von Anfang an festgelegt: ARRI-Alexa-Look mit anamorphotischem Objektiv, geringe Schärfentiefe, Filmkorn, ein kaltes Teal-Blau mit tiefen Schwarztönen. Jede Rasse bekam dazu einen eigenen Farbschlüssel:
- Greys: kaltes Blau und klinisches Weiß, unterirdisches Labor, ländliche Nacht
- Nordics: warmes Gold, das ins Kalte kippt, sterile Schiffskorridore; als Plejadier in der Bridge reines, weich gestreutes Weiß
- Reptiloiden: Grün und Konzerngrau, Sitzungssäle und Marmorflure
- Anunnaki: Sepia und Orange für die Antike, Teal für die Gegenwart
Zu jedem Shot habe ich in Nano Banana 2 einen Startframe erzeugt, immer passend zu dem, was der Text an dieser Stelle erzählt: die Rasse, die gerade vorgestellt wird, die Band auf der Bühne, der Basar, die Verhaftung. Jeder Startframe wurde anschließend als Image-to-Video mit Kling 3.0 über Magnific animiert. Clips, deren Bewegung oder Inhalt nicht zur Musik passten, wurden neu generiert.
Der Weg über Startframes statt reinem Text-zu-Video war die beste Entscheidung für die visuelle Konsistenz. Wenn das Ausgangsbild feststeht, behalten Figuren und Rassen über viele getrennte Generierungen hinweg ihr Aussehen. Bei reinem Text-zu-Video würfelt jeder Lauf das Gesicht neu.




Schritt 5: Schnitt, Grading, Upscaling
Geschnitten wurde in Adobe Premiere Pro, Zeile für Zeile an der Suno-Spur entlang. Ein durchgehendes dunkles Teal-Blau-Grading und Filmkorn binden Material aus vielen einzelnen Generierungen zu einem Look zusammen. Für den finalen Master in 16:9 habe ich die Clips mit Topaz Video AI hochskaliert.
Interessant war der Abgleich zwischen Plan und Ergebnis. Das Storyboard sah für die Strophen Einstellungen von vier bis acht Sekunden vor, im Schnitt wurden es zweieinhalb bis dreieinhalb. Für die Refrains waren schnelle Schnitte von ein bis zwei Sekunden geplant, tatsächlich trägt dort jede Zeile rund drei Sekunden. Der Song hat den Rhythmus vorgegeben, nicht das Storyboard.
Was ich mitnehme
- Reihenfolge schlägt alles: erst Lyrics, dann Song, dann Bilder und Bewegung, festgenagelt an die fertige Tonspur.
- Klein iterieren: einzelne Strophenblöcke, einzelne Shots. Aus mehreren Generierungen auszuwählen ist effektiver, als auf den perfekten Wurf im ersten Durchgang zu hoffen.
- Startframes für Kontrolle: Image-to-Video hält Figuren und Stil deutlich stabiler als Text-zu-Video.
- Ein Look für alles: Grading und Filmkorn sind der Kitt, der Dutzende Einzelgenerierungen wie einen Film wirken lässt.
Alle Werkzeuge liefen in bezahlten Pro-Tarifen, die Rechte am generierten Material liegen nach den jeweiligen Nutzungsbedingungen bei mir.
Werkzeugübersicht
- Claude: Recherche zu den Alien-Rassen, Entwicklung der Lyrics
- Suno (Pro): kompletter Song mit Musik und Gesang
- Google Nano Banana 2: Figurenentwicklung und Startframes für jeden Shot
- Kling 3.0 über Magnific: Image-to-Video für alle Shots
- Adobe Premiere Pro: Schnitt, Teal-Blau-Grading, Filmkorn
- Topaz Video AI: Upscaling für den finalen Master
Wie es weitergeht: ARR – Breakout
Ein bewusstloser Frontmann, eine verschleppte Band, ein offener Verbleib: Das Ende von „Alien Race Rap“ schrie geradezu nach einer Fortsetzung. Die gibt es inzwischen. In „ARR – Breakout“ erwacht Mel in einem Gefängnis der Reptiloiden auf dem Jupitermond Io, bricht während eines Angriffs der Mantis-Krieger aus und jagt dem Transporter hinterher, der seine Frau Kira und seinen Vater fortbringt.






